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Charity Marketing – Interview mit Ulinka Wagner

 
Nach meinem Vortrag im Innovationscafé des Strascheg Center for Entrepreneurship zu "Der Weg zu Traction – Warum Flipflops die falschen Schuhe für den Mount Everest sind" kam Ulinka Wagner spontan auf mich zu, dass ihr noch ein paar mehr Marketing-Tools eingefallen waren. Sicher gibt es immer noch mehr Möglichkeiten, aber diese erschienen ihr gerade relevant. Daraufhin trafen wir uns und sprachen über ihre Erfahrungen mit Charity bzw. Wohltätigkeit wie auch Crowdfunding als Marketing Aktionen. Den ersten Teil kannst Du hier als Interview lesen. Den zweiten Teil kannst Du zu Crowdfunding als Marketing Werkzeug findest Du hier.

Marketing durch Charity

Ulinka, was ist Dein Bezug zum Thema Charity im Marketing-Zusammenhang?

Zunächst zum Thema Charity: Bei meiner redaktionellen Arbeit im Verlag ist mir immer mehr bewusst geworden, dass Themen viel eher eine Chance auf Veröffentlichung hatten, wenn sie zusätzlich einen Charity-Bezug haben. Ein kleines, hoffnungsvolles aber noch unbekanntes Jeanslabel, das sich trotz knappem Budget für faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Materialien einsetzt? Gegen die Großen, die unanständigen Ausbeuter, die ihre Massenfabrikation unter unwürdigen Bedingungen ausführen lassen und Mindest-Löhne zahlen? Das ist perfektes Futter für das Storytelling einer Marke. Am besten man nennt die Jeans gleich Goodsociety!
Es gibt ihr eine große Mission: Gut gegen Böse, David gegen Goliath. Denn wer soll eine um vieles teurere Jeans kaufen, die sich bis auf ein zwei anders eingefärbte Nähte, eine dunklere Waschung, ein zwei Löcher mehr oder andere Stickereien meist wenig von einer herkömmlichen Jeans unterscheidet ? Ohne eine plausible Geschichte rund um das Label funktioniert das nicht. Mit solch einer Helden-Geschichte lädt man Produkte oder Dienstleistungen emotional auf und kann eine Bindung zum Kunden erzeugen. Das nutzen auch große Firmen: Sie bringen wenigstens eine Capsule-Kollektion heraus, die unter ökologischen Bedingungen hergestellt wurde, aus recycelten Materialien besteht. (Beispielsweise die Conscious Collection von H&M oder die Kollektion aus RE:CYCLE von Victor & Rolf für Zalando.).

Welche Erfahrungen und Lessons learned konntest Du dabei sammeln?

Es funktioniert, wie ich finde, wenn natürlich das Produkt oder der Service sonst auch ok. Ist. Es wirkt wie ein Hebel fürs Marketing. Die Geschichte und die Anbieter müssen aber stimmig und authentisch sein.
Nach einer Studie des Economist kaufen 79 Prozent der Millenials lieber bei Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Und : Unternehmen sollten es es nicht übertreiben und irgendwo eine gute Mission herbeizaubern, die gar nicht vorhanden ist. Der Kunde wird spüren, wenn etwas nicht stimmt, auch wenn das unterbewusst ist. Es entsteht ein schiefes Markenbild. Schlimmstenfalls entsteht der Eindruck der Lächerlichkeit.

Zu welchem Zeitpunkt im Marketing Funnel macht das Thema Charity denn Deiner Ansicht nach Sinn?

Ich denke, gleich am Anfang, eine gute Mission und eine Sinnhaftigkeit sind mit dem Produkt verhaftet und können von Anfang an kommuniziert werden. Das kann oder sollte subtil sein. Auch wenn auf der aktuellen Balenciaga Kollektion unübersehbar Slogans wie "World Food Programme" stehen und tatsächlich zehn Prozent der Erlöse an diese Organisation gehen.

Kann man dabei erkennen, Charity als Instrument des Marketings eher auf das Branding des Unternehmens/Produkts/Services abzielen oder auf Neukunden?

Ich sehe solche Maßnahmen eher beim Branding, bei der Identität der Marke.

Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit der Aktionen aus?

Sein Produkt mit einer guten Tat zu verknüpfen, was könnte nachhaltiger sein, wenn es ernst wirklich ernst gemeint ist? Schließlich kommt ja alles Gute wieder zurück und das kann ja auch ein höherer Umsatz sein.

Liebe Ulinka, vielen Dank für den ersten Teil dieses tolle Interview.
 

Ulinka Wagner

Ulinka Wagner ist Content & Communication Spezialistin und arbeitet für große, alt eingesessene Unternehmen bis kleine, trendige Start-ups. Sie hat Modedesign und Betriebswirtschaft studiert und war ziemlich lange sehr fest eingebunden bei einem großen Verlag. Erst als Freelancerin konnte und kann sie sich voller Enthusiasmus bei verschiedenen neuen journalistischen Projekten und Formaten austoben. Der anwachsende Trend zu immer mehr nachhaltigen Mode- und Lifestyleprodukten macht ihr Hoffnung, dass der Konsument mit richtigen Kaufentscheidungen doch etwas bewirken könnte.
 

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André Wehr
André Wehr
Als Gründer und Unternehmer erlebe ich täglich, wie wichtig Traction und Kundenfokus ist. Dies macht den Unterschied zwischen einer ganz netten Idee und einem lebensfähigen Unternehmen.

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